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CfP: Inventur und Perspektive. Über die Zukunft audio-visueller/filmischer Praxen in der Kulturanthropologie und deren Vernetzung

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Call for Papers

 

Inventur und Perspektive. Über die Zukunft audio-visueller/filmischer Praxen in der Kulturanthropologie und deren Vernetzung

Workshop der Kommission Film innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) am 19./ 20.09.2014

im „Tagungszentrum an der historischen Sternwarte“ in Göttingen.

 

Die Formen filmischer Wissensvermittlung unterliegen einem stetigen Prozess von Neu-Aushandlung und Reproduktion. Hybride Formate wie Fotofilme (BerlinFolgen u. a.) verwischen mediale Grenzen. Internetportale wie YouTube oder Vimeo eröffnen nicht nur alternative Vermittlungswege audio-visueller Kommunikate, sondern rufen auch neue filmische Praxen hervor. Softwarelösungen wie das korsakov-System des Berliner Künstlers Florian Thalhofer (Galata-Bridge) legen alternative, non-lineare Formen des audio-visuellen Erzählens nahe. In Museen und Ausstellungen ist die alte Dichotomie vom auratischen Original und der soufflierenden filmischen Ergänzung längst einem produktiven Nebeneinander gewichen, was in kulturhistorischen (Ausstellung „Arbeit. Sinn und Sorge“ im Deutschen Hygiene Museum 2009/2010) und künstlerischen (documenta 13) Musealisierungen gleichermaßen zu beobachten ist. Und bei alldem hat der klassische erzählte Film nicht an Faszination verloren. Als ebenso vielfältig erscheinen die analytischen Zugänge zu Filmen, die von einer historisch gesellschaftlichen Kontextanalyse über close reading-Verfahren bis hin zu diskurstheoretisch inspirierten Ansätzen reichen. Filme dienen dabei u. a. als Schlüssel zum Verständnis von Blickregimen und helfen als Quellen, gesellschaftliche Normativitäten zu dekonstruieren. Nicht zuletzt bildet auch der instrumentelle Einsatz audio-visueller Formen eine große Bandbreite ab, die sich von der Daten erhebenden Funktion im Rahmen einer Feldforschung hin zu einer engagiert aktivistischen Bildungsarbeit erstreckt.     

 

Allein die genannten filmischen Nutzungspraxen sollten eigentlich in der Lage sein, zahlreiche Anschlüsse an die Kulturanthropologie zu gewähren. Sie werfen analytische Fragestellungen ebenso auf wie sie zu neuen Formen der Vermittlung kulturanthropologischen Wissens anregen, die durch audio-visuelle Medien inspiriert sind.

Trotzdem scheint es dem Gegenstandsfeld Film an Kraft zu fehlen, die um ihn kreisenden wissenschaftlichen Aktivitäten in einer netzwerkfähigen Zusammenarbeit innerhalb der scientific community der KulturanthropologInnen (oder sogar darüber hinaus) zu organisieren. Zumindest zeigen dies die geringen Zahlen derer, die sich in den vergangenen Jahren in die Arbeit der „dgv-Kommission für den volkskundlichen Film“, wie der offizielle Name der Kommission (noch immer)  lautet, eingebracht haben. Hat es die Filmkommission in den letzten Jahren versäumt, sich überhaupt als Ort der Vernetzung und Zusammenarbeit erkennen zu geben? Hat die Zahl an Einzelpersonen, die sich im Fach mit audio-visuellen Medien beschäftigen, ein gruppierfähiges Maß unterschritten? Oder sind gar alle Fragen im Zusammenhang mit Film bereits beantwortet bzw. haben Entwicklungen und Moden innerhalb des Faches einen Konsens bewirkt, der das Thema schlichtweg von der Agenda hat verschwinden lassen? Ungeachtet möglicher Antworten steht fest: Die Filmkommission innerhalb der dgv befindet sich in einer Krise, der wir mit offenem Visier begegnen wollen.

 

Der Workshop hat zwei Ziele:

 

1)     Zum einen möchten wir die aktuelle Bandbreite audio-visueller/filmischer Praxen in der Kulturanthropologie eruieren. Hierzu laden wir KulturanthropologInnen, die in Forschungsprojekten, Graduiertenkollegs, anderen Institutionen und/oder der universitären Lehre arbeiten ebenso wie FreiberuflerInnen und FilmemacherInnen ein, Arbeiten oder (Lehr- und Forschungs-)Projekte zu präsentieren, die einen dezidiert audio-visuellen Fokus (in der Auswahl von Quellen, von Vermittlungsmedien aber auch in der Theorieanbindung) haben. Die Präsentationen sollen eine Dauer von 20 Min. nicht überschreiten und am ersten Workshoptag vorgestellt werden. Dabei geht es weniger um die konkreten Arbeiten, als vielmehr um die spezifischen Perspektiven auf die Schnittstelle von Kulturanthropologie/Europäischer Ethnologie und audio-visueller Praxen/Film, die in ihnen aufscheinen und die diskutiert werden sollen.

 

2)     Von dieser Bandbreite audio-visueller/filmischer Praxen ausgehend möchten wir am zweiten Tag des Workshops die Vergangenheit, vor allem aber die Zukunft der Kommission diskutieren. Hierbei werden sicherlich Fragen nach einer (Neu)Definition des Gegenstandsfeldes, einer Umbenennung der Kommission, nach sinnvollen Vernetzungs- und Kommunikationswegen sowie nach möglichen Kommissionsaktivitäten im Mittelpunkt stehen. Die zentrale Frage wird sein, ob und wie es zu schaffen sein wird, die Vielfalt kulturanthropologischer Zugänge zu Audio-Visualität nicht nur in einer aktiven Kommissionsarbeit zu spiegeln, sondern sie darüber hinaus zu befördern.     

 

Wir freuen uns auf Einreichungen von KulturanthropologInnen/Europäischen EthnologInnen/VolkskundlerInnen, die neben der wissenschaftlich praktischen Auseinandersetzung mit audio-visuellen Zugängen (hierzu bitten wir um Abstracts von max. 1 Seite bzw. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen) auch an der Frage einer zukünftig stärkeren Vernetzung dieser Arbeiten durch die dgv-Kommission interessiert sind. Daher erbitten wir explizit die Bereitschaft, sich über den eigenen Beitrag hinaus auch in die gemeinsame Diskussion über die Zukunft der Kommission einzubringen.

 

Bitte senden Sie Ihre Abstracts bis zum 23.04.2014 per Mail (im Idealfall als pdf-Anhang) an tnaeser1 [at] gwdg [dot] de.

 

Kontakt:
Dr. Torsten Näser
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
Heinrich-Düker-Weg 14
D-37073 Göttingen
Tel.: +49 (0)551-39-25350

 

Der Workshop findet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen statt.