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Reisen zwischen Verortung und Entgrenzung

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7. Arbeitstagung der Kommission Tourismusforschung innerhalb der DGV

Im Rahmen vergangener Arbeitstagungen der Kommission Tourismusforschung hat sich vor allem die Entgrenzung, die als ein Charakteristikum des Tourismus bezeichnet werden kann, als ein Thema erwiesen, das kontrovers diskutiert wurde, ohne dass bereits ein abschließendes Ergebnis erreicht worden wäre. So ist es angebracht, diesen Punkt im Rahmen einer Arbeitstagung stärker zu fokussieren und seinen historischen Dimensionen nachzuspüren.

Reisende unserer Tage suchen sich entsprechend dem intendierten Reiseerlebnis eine Umgebung aus, die - sei sie nun mehr oder weniger natürlich oder ausschließlich inszeniert - wachsenden Ansprüchen gerecht werden muss. Emotionale Erlebniswerte, die es nicht nur zu versprechen, sondern auch einzulösen gilt, spielen eine entscheidende Rolle. Es stellt sich die Frage, worin diese Erlebniswerte im Einzelnen bestehen, in welchem Zusammenhang sie zu den räumlichen und (jahres-)zeitlichen Gegebenheiten stehen und wie sie im Einzelnen vermittelt werden. Liegt ihre Funktion vorwiegend darin, den Reisenden eine Verortung ihrer Person in einem Kontext, der mehr oder weniger beliebig zu sein scheint, zu ermöglichen? Können und wollen die verschiedenen Reisewelten, die von Reiseveranstaltern angeboten werden, den individuell unterschiedlichen Wunsch nach bestimmten Erlebnistopographien überhaupt einlösen oder schließt sich dies von vornherein aus, weil die Erlebniswerte in erster Linie in persönlichen und kollektiven Erinnerungen und nicht in räumlichen und (jahres-)zeitlichen Gegebenheiten gründen?

Neben diesen gegenwartsbezogenen Fragestellungen sollen auch historisch arbeitende Kolleginnen und Kollegen zu einem Beitrag ermuntert werden. Hier interessiert die Frage, ob sich in der Geschichte des Reisens Versuche von Reisenden ausmachen lassen, sich angesichts der Entgrenzung durch die Beschleunigung der Reiseverkehrsmittel zu verorten und wie diese Versuche gegebenenfalls aussahen. Welche Ansprüche und emotionalen Erlebniswerte verbanden sich in vergangenen Jahrhunderten mit Reisen und wie hoffte man sie einzulösen? Lassen sich hinsichtlich bestimmter Topographien und ihrer Nutzung durch Reisende historische Entwicklungsstränge aufdecken? Wie lassen sich bestimmte raum-/zeitliche Gegebenheiten zu Erlebnistopographien ausbauen?

Über das oben skizzierte Thema der Arbeitstagung hinaus ist es nach mehr als 10 Jahren Tourismusforschung innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde durchaus an der Zeit, Überlegungen zu einer Standortbestimmung hinsichtlich der Ziele und Erkenntnisinteressen einer qualitativen Tourismusforschung anzustellen. Im Rahmen von Referat- und Diskussionsbeiträgen soll die Frage Berücksichtigung finden, ob wir mit der wissenschaftlichen Erforschung des Problemfeldes Tourismus noch den "richtigen" Weg beschreiten oder ob es Zeit ist für eine grundsätzliche Neubesinnung. Daher soll in alle Referate eine kritische Methodenreflexion einfließen, die dazu beiträgt, die Methodologie einer qualitativen, interdisziplinären Tourismusforschung zu präzisieren und zu explizieren.

 

Für Nachfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Christiane Cantauw M. A., Volkskundliche Kommission f. Westfalen, Scharnhorststraße 100, D - 48151 Münster, Tel: 0251/8324398, E-Mail: c [dot] cantauw [at] lwl [dot] org (c [dot] cantauw [at] lwl [dot] org )

Anmeldung und Information: Dr. Irene Ziehe, Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Im Winkel 6/8, D - 14195 Berlin, E-Mail: i [dot] ziehe [at] smb [dot] spk-berlin [dot] de

Termindatum: 
14. November 2003 - 16. November 2003
Tagungsort: 
Berlin