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Bericht 2009/2010 der Arbeitsgruppe Sachkulturforschung und Museum

Auf dem 37. Kongress der Gesellschaft für Volkskunde in Freiburg 2009 wurde die Arbeitsgruppe „Sachkulturforschung und Museum“ zu einem Arbeitstreffen nach Nürnberg ins Germanische Nationalmuseum eingeladen. Damit richtete nach vielen Jahren wieder ein zentrales kulturgeschichtliches, spartenübergreifendes Haus und kein volkskundliches Spezialmuseum die Tagung aus.

Eine Kernaufgabe aller Museen ist das Sammeln, doch gerade die breit aufgestellten kulturhistorischen Häuser stehen, nicht zuletzt aufgrund des meist begrenzten Depotraums, am Anfang des 21. Jahrhunderts vor einer besonderen Herausforderung. Deshalb widmete sich die 19. Tagung der Arbeitsgruppe „Sachkulturforschung und Museen“ in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde zwischen dem 26. und 28. Januar 2011 dem Thema: „Welche Zukunft hat das Sammeln? Eine museale Grundaufgabe in der globalisierten Welt“. Die Nachfrage war so groß, dass nicht alle Interessenten an der Tagung teilnehmen konnten, denn eine auf 60 Personen beschränkte Teilnehmerzahl und die bewusst niedrig gehaltene Zahl von Referenten sollten es ermöglichen, besonders anregende Diskussionen zu führen und den Charakter eines Arbeitstreffens zu untermauern. Dabei war man im Kollegenkreis schon vorher zu der Übereinkunft gekommen, auch die Zahl der Referenten einzugrenzen. Schließlich gaben elf Museumsleute Einblicke in ihre Gedanken zum Thema, wobei dieses Mal neben den immer auf den Tagungen stark vertretenen Freilichtmuseen vor allem auch die Positionen der Volkskundler und Volkskundlerinnen an den Landesmuseen angehört wurden.

Die Frage des Sammelns beschäftigt die Arbeitsgruppe seit Jahren intensiv. So wies seinerzeit Uwe Meiners treffend darauf hin, dass sich die Sachkultur des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts aufgrund ihrer Komplexität und Veränderungsfähigkeit gegen das klassische Musealisieren und Sammeln sperrt und die „Vergreisung“ materieller Kultur zum sehr bewussten Handeln des Museumswissenschaftlers zwingt. Welche Filter und Maßstäbe wendet aber der Kurator als „Dirigent der Erinnerung“ an? Alle Tagungsreferenten setzen sich an ihren Häusern für ein reflektiertes Sammeln ein, um den jeweiligen musealen Wissensspeicher sinnvoll zu füllen. Dabei stellte keiner diese Grundaufgabe in Frage, doch kristallisierte sich als gegenwärtiger Trend in der globalisierten Welt das partizipative Sammeln heraus. Ein anderer Schwerpunkt lag bei der Qualifizierung von vorhandenen Sammlungen.

Der Tagungsband erscheint im Herbst 2012: Welche Zukunft hat das Sammeln? Eine museale Grundaufgabe in der globalisierten Welt. Beiträge der 19. Tagung der Arbeitsgruppe „Sachkulturforschung und Museum“ in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, 26. bis 28. Januar 2011 im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. Hrsg. von Claudia Selheim (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 33). Nürnberg 2012.

2009 betonte Uwe Meiners beim Treffen der Arbeitsgruppe im Rahmen des 37. dgv-Kongresses in Freiburg die Wichtigkeit der Vertretung der Museen sowohl im Vorstand als auch im Hauptausschuss der dgv. Als seine Nachfolgerin wurde Monika Kania-Schütz, Oberbayerisches Freilichtmuseum Glentleiten, in den Vorstand der dgv gewählt. Anja Schöne, Museum Heimathaus Münsterland/Religio, vertritt die Gruppe der Museen im Hauptausschuss der Gesellschaft. Beim 38. dgv-Kongress in Tübingen 2011 einigte sich die Arbeitsgruppe auf die Umbenennung in „Kommission für Sachkulturforschung und Museum“. Sie wurde vom Hauptausschuss der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde angenommen.

Die nächste Tagung der Kommission für Sachkulturforschung und Museum richtet Thomas Brune, der gegenwärtige Sprecher der Kommission, im Museum der Alltagskultur in Schloss Waldenbuch Ende November 2012 aus. Im Zentrum wird der Dialog zwischen Mensch und Ding im Museum stehen. Neben musealen Forschungen soll es auch um naturwissenschaftlich-medizinische Herangehensweisen an das Thema gehen.

 

Claudia Selheim, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg