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Aspekte des Religiösen in popularen Musikkulturen

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Tagung der Kommission zur Erforschung musikalischer Volkskulturen in der DGV
8. bis 11. Oktober 2008, Technische Universität Dresden

"Aspekte des Religiösen in popularen Musikkulturen "

 

Programm

Mittwoch, 8.10.2008

ab 18 Uhr        abendlicher Treff (Ort, Adresse)

 

Donnerstag, 9.10.2008

9.00 Uhr          Begrüßung
                      Winfried Müller, Direktor des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

                      Marianne Bröcker: Vorsitzende der Kommission zur Erforschung musikalischer
                      Volkskulturen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. / Bamberg

9.30 Uhr          Manfred Seifert (ISGV Dresden)
                      Volksmusikforschung in Sachsen

Musik in der katholischen und evangelischen Kirche

10.00 Uhr        Günther Noll (Köln)
                      Das neue Kinderlied in der religiösen Unterweisung der DDR

10.30 Uhr        Gabriela Schöb (Thalwil)
                      Erfahrungen in der Schweizerischen Ökumenischen Kommission für Kinder- und Jugendchorarbeit

11.00 Uhr        Pause

11.30 Uhr        Wilhelm Schepping (Köln)
                     „Von guten Mächten“: Die Vertonungen des Dietrich Bonhoeffer-Textes –
                     ihre Bedeutung, Funktion und Reproduktion im religiösen Singen unserer Zeit

12.00 Uhr        Heiko Fabig (Hamm)
                      Gospelgesang als populare Musikkultur in evangelischen und katholischen Kirchengemeinden
                      Nordrhein-Westfalens

12.30 Uhr        Mittagspause

 

Religiosität in den Migrantenkulturen

14.00 Uhr        Ursula Hemetek (Wien)
                      Zur Musik in den religiösen Ritualen der Aleviten in Österreich

14.30 Uhr        Dorit Klebe (Berlin)
                      Junge Muslime in Deutschland in ihren textlich-musikalischen Ausdrucksformen

15.00 Uhr        Astrid Reimers (Köln)
                      Tempel, Synagoge und Moschee – religiöse Gemeinden als Ort musikkultureller Aktivität

15.30 Uhr        Pause


Regionale Traditionen

16.00 Uhr        Brigitte Bachmann-Geiser (Bern)
                      Das Alphorn in der Kirchenmusik

16.30 Uhr        Karoline Oehme (Basel)
                     Jodlermesse: zwischen Religiosität und Nationalgefühl

17.00 Uhr        Peter Fauser (Erfurt)
                      Zu den Adjuvanten in Thüringen

17.30 Uhr        Elvira Werner (Chemnitz)
                      Krippenspiele im sächsischen Erzgebirge


Freitag, 10.10.2008

9.00 Uhr          Mitgliederversammlung

Religion und Tanz

10.30 Uhr        Volker Klotzsche (Hannover)
                      Meditativer und geselliger Tanz in der DDR am Beispiel von Christel Ulbrich

11.00 Uhr        Wolfgang Mayer (München)
                      Religiöser Tanz heute

11.30 Uhr        Mittagspause

Berichte aus der Arbeit von Archiven und Forschungsstellen

13.30 Uhr        Heidi Christ (Uffenheim)
                      Geistliche Lieder aus Franken

14.00 Uhr        Ernst Schusser (Bruckmühl)
                      Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch – Inhalte, Struktur und Beispiele eines Angebots
                      zum Singen geistlicher Volkslieder in unserer heutigen Zeit

14.30 Uhr        Pause

15.00 Uhr        Helga Thiel (Wien)
                      Aus Feldforschungen des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,

                      Wien: Maiandachten

15.30 Uhr        Wolf, Anne (Münster)
                      Das digitale Westfälische Ton- und Volksliedarchiv – ein Projektbericht

16.00 Uhr        Begleitprogramm Stadt Dresden

 

Samstag, 11.10.2008

Musik in para-religiösen Kontexten

9.00 Uhr          Erika Funk-Hennigs (Braunschweig)
                      Satanismus in der Black-Metal-Szene

9.30 Uhr          Sabrina Hubert (Abtsgmünd)
                      Highway to hell: Heavy Metal und die Aspekte des Religiösen

10.00 Uhr        Pause

10.30 Uhr        Marguerite Rumpf (Marburg)
                      Modernes Mittelalter: eine Ost-Berliner Band und deren Fankultur

11.00 Uhr        Sabine Wienker-Piepho (Jena)
                      Verschiebungen von Kontexten. Neue Funktionalitäten von ethnischer Musik in der esoterischen Szene

11.30 Uhr        Pause


Schwerpunkt Südosteuropa 

12.00 Uhr        István Almási, (Cluj-Napoca)
                      Aktuelle Probleme der reformierten Kirchenmusik in Siebenbürgen (Rumänien)

12.30 Uhr        Wolf Dietrich (Sulzheim)
                      35 Jahre Politik um Feuerlaufrituale (Anastenária) in Griechenland

13.00 Uhr        Katalin Kovalcsik (Budapest)
                      Die Pfingstgläubigen und ihre Musik in einer Rudari-Gemeinschaft in Oltenien (Rumänien)

13.30 Uhr        Ende der  Tagung

 

 

Tagungsbericht

Mit dem Wechselverhältnis zwischen Religion, Religiosität und popularen Musikkulturen in Geschichte und Gegenwart beschäftigten sich gut fünfzig Personen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn und Japan in 20 Referaten und anregenden Diskussionen. Davor gab Manfred Seifert, Leiter des Bereichs Volkskunde am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, einen Abriss zur Volksmusikforschung in Sachsen.

Den größten Themenbereich umfassten Beiträge zur Musik in der katholischen und evangelischen Kirche. Günter Noll (Köln) stellte Ausschnitte aus einem Forschungsprojekt zum Singen von geistlichen Kinder- und Jugendliedern in der DDR vor. Am Beispiel der von der katholischen Kirche seit Beginn der 1950er Jahre veranstalteten Religiösen Kinderwochen zeigte er auf, dass die - häufig im Widerspruch zur staatlichen Doktrin stehenden - Lieder auch Eingang in das Liedrepertoire einzelner Gemeinden finden konnten. Gabriela Schöb-Freitag (Thalwil) berichtete über die Entstehung eines neuen ökumenischen geistlichen Liederheftes für Kinder und Kinderchöre in der Schweiz. Bei der Konzeption, der Anfrage an Komponisten, der Auswahl der Themen und Lieder waren viele Fragen zu klären, z.B. zu Frömmigkeit, Sprache und Musik, bevor das Heft veröffentlicht werden konnte. Wilhelm Schepping (Köln) erstellte eine Liedbiographie des beliebten Liedes „Von guten Mächten“ nach dem Text von Dietrich Bonhoeffer. Er wies nicht nur verschiedene Vertonungen und Textvarianten auf, sondern zeigte auch, wie über das Internet ein Zugriff auf unterschiedliche Interpretationen möglich wird. Noch in der Recherchephase befindet sich Heiko Fabig (Hamm), der mit Hilfe eines Fragebogens Alters- und Geschlechtsstrukturen, Singgelegenheiten, Repertoire von katholischen und evangelischen Gospelchören in Nordrhein-Westfalen sowie die Motivation der Sänger/innen untersucht und erste Ergebnisse präsentierte. An Beispielen aus Gesangbüchern Bachofens und Freylinghausens erläuterte Sabine Wienker-Piepho (Jena), dass die geistlichen Lieder der Barockzeit der Entsinnlichung entgangen waren und mit weltlicher Erotik eine inbrünstige Religiosität beschrieben.

Religiosität in den Migrantenkulturen beleuchtete Astrid Reimers (Köln). Ihre Ausgangsthese, dass durch Menschen mit Migrationshintergrund die religiöse Pluralität und damit die musikalische Vielfalt wachse, belegte sie mit der Darstellung musikkultureller Aktivitäten religiöser Gemeinden in Köln. Bei ihrer Untersuchung konnte sie feststellen, dass in den unterschiedlichen Gemeinden alle Formen des Laienmusizierens gelehrt und dargeboten werden.

Den Betruf, ein altes Sennengebet in katholischen Alpengebieten vornehmlich der deutschsprachigen Schweiz, stellte Brigitte Bachmann-Geiser (Bern) vor. Eine urbane Belebung dieser regionalen Tradition findet sich im LOBA TOWN, wo Ärgernisse und Visionen der Stadtbewohner in Lausanne, Bern, Zürich und Basel mit neuen Rap-Texten in spektakulären Live-Aktionen erklingen.
Von Choradstanten und Schulmeistern, Kasualien und Konventen berichtete Peter Fauser (Erfurt) zur Musikkultur der Adjuvanten im 16. bis 19. Jahrhundert in Thüringen und verblüffte mit dem außergewöhnlichen Qualitätsstandard dieser Laienensembles.
Die lange historische Tradition in der evangelisch-lutherischen Kirche im sächsischen Erzgebirge, aber auch den Wandel in Texten, Spielstücken und Musikbeiträgen der Krippenspiele erläuterte Elvira Werner (Chemnitz).

Innerhalb des Themenbereiches Fokus Südosteuropa berichtete Wolf Dietrich (Sulzheim) über die harten Auseinanderssetzungen zwischen der orthodoxen Kirche und den Brauchträgern der Feuerlaufrituale (Anastenária) in wenigen griechisch-makedonischen Orten, die letztendlich durch geschicktes Taktieren der Brauchträger dazu führten, dass der Brauch seit ca. 20 Jahren friedlich ausgeübt werden kann. Indem sie ausländische Wissenschaftler für den Brauch interessieren konnten, Tourismus fördern und einbinden konnten und dem Brauch einen griechischen Hintergrund verschafften, erreichten sie die Akzeptanz seitens der Kirche.
Katalin Kovalcsik (Budapest) beobachtete die Musik der Pfingstgläubigen Rudari, einer ethnischen Gruppe in dem rumänischen Dorf Oltenien. In der rigorosen Ethik der Pfingstbewegung ist den Rudari weltliche Musik verboten. Die religiöse Musik, die in Form von westeuropäischer Popmusik eindrang, lässt jedoch inzwischen eine Rückbesinnung auf rumänische Musiktraditionen erkennen.

Die „Mutter des geselligen Tanzes in der DDR“, Christel Ulbrich (1908-1966) stellte Volker Klotzsche (Hannover) vor. Die Kindergärtnerin, Mentorin für Musik und Bewegung in Kindergärten und Tanzpädagogin konnte durch alle Altersgruppen und weit über Bautzen hinaus begeistern. Aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit Bernhard Wosien beschäftigte sie sich auch intensiv mit meditativem Tanz.
Neben dem Butoh-Tanz eines Bekannten interessierten Wolfgang Mayer (München) die rituellen Kreistänze von Frauen. Bei beiden religiösen Tanzformen ist ein Zugang „von außen“ schwer, da er weder die Gefühle des Butho-Tänzers während der Performance, noch als Mann das Erleben weiblicher Spiritualität bei der Ausführung von Kreistänzen unterschiedlicher Herkunft und Determinanten teilen konnte.

Geistliches Singen in Franken, sowohl bei Veranstaltungen der Volksmusikpflege als auch in Gottesdiensten beider Konfessionen untersucht Heidi Christ (Uffenheim), um dabei regionale und lokale Besonderheiten im Repertoire oder an einzelnen Liedern herausarbeiten zu können.
Die Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“, bei der überlieferte geistliche Volkslieder in sorgsamer Überarbeitung mit Hilfe vieler Veröffentlichungen und Veranstaltungen interessierten Laien seit Beginn der 1980er Jahre an die Hand gegeben werden, stellte Ernst Schusser (Bruckmühl) vor.
Aus den Feldforschungen des Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien wählte Helga Thiel (Wien) Maiandachten als jüngste Andachtsform und eine Schulschlussmesse der katholischen Schüler der tschechischen Schule in Wien. Besonders an letzterem Beispiel wurde deutlich, dass die Liedwahl nicht immer den Vorstellungen der Priester entspricht.

Die digitale Erfassung, Erschließung und Langzeitarchivierung von Beständen des Archivs für westfälische Volkskunde der Volkskundlichen Kommission für Westfalen im Rahmen eines DFG-Projektes erläuterte Jutta Nunes Matias (Münster). Seit Dezem