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CfP zur Kommissionstagung: "Erschaffen, Erleben, Erinnern. Fankulturen als Akteure populärer Unterhaltung und Vergnügung"

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Erschaffen, Erleben, Erinnern.

Fankulturen als Akteure populärer Unterhaltung und Vergnügung

 

Tagung der Kommission Kulturen populärer Unterhaltung und vergnügung

Regensburg, 10. bis 12. Oktober 2014

 

Call for Papers

 


Im Fußball-WM-Jahr 2014 widmet sich die dritte Tagung der Kommission Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung (KPUV) dem Thema Fankulturen. Die Tagung rückt dabei Fans als Produzenten von Sinn, Emotionen und Dingen im Bereich der populären Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen in den Mittelpunkt. 

Fankulturen konstituieren sich als farbenprächtige und einflussreiche soziale Formationen im Feld der populären Unterhaltung und Vergnügung. In ihnen verbinden sich passiver Konsum und nahezu grenzenlose Kreativität zu wirkmächtigen Lebensstilen mit vielfacher Ausstrahlung auf die breiten Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen. Kollektives Fansein – Fankultur – materialisiert sich dabei ebenso in einer affektiven Faszination für Dinge, wie um Personen, performative Praxen oder geteilte Wertehaltungen. Fankulturen bilden so einflussreiche Formationen, deren ästhetische und semiotische Produktion das Feld der populären Unterhaltung und Vergnügung zentral strukturieren und transformieren.

Ziel der Kommissionstagung ist es, die Rolle von Fankulturen als aktive Akteure innerhalb der populären Kulturen der Unterhaltung und Vergnügung zu diskutieren. Die Frage, wie sich Fandom in den Unterhaltungs- und Vergnügungskulturen konstituiert und in ihnen wirkt, wird dabei aus drei Richtungen fokussiert:

1. „Unsere Kurve hat die beste Choreo!“ – Erschaffen
Nicht erst – aber vor allem – seit der Entwicklung des Internets konstituiert sich Fandom über kreative Aneignungen bereits bestehender Fanobjekte und Bedeutungen. Das Vergnügen, die Kontrolle über den Fangegenstand zu übernehmen, in populären Texten zu „wildern“ (Jenkins 1992) und sie fortzuschreiben, führt nicht nur zu einer Diversifizierung des Marktes der populären Unterhaltung, wie etwa im Bereich der Fan Fiction, sondern auch zu einer Demokratisierung. Fans ermächtigen sich über ihre Kreativität und emanzipieren sich durch aktive Stilschöpfungen vom Objekt ihres Fanseins. Dies führt mitunter auch zu Konflikten, wie aktuell die Diskussionen um Choreographien und Pyros in den Fankurven der Fußballstadien zeigen. Was ist die Bedeutung des Aspektes Kreativität für die Konstitution von Fandom? Wie hat sich Fansein über die partizipativeren Möglichkeiten der neuen Medien transformiert? Wo verlaufen kulturelle Konfliktlinien innerhalb dieses Fandoms V2.0?

2. „Gestandene Männer haben geweint …“ – Erleben
Die Faszination des Fan-Seins ist untrennbar verbunden mit emotionalen Erfahrungen. Auf welche Art schlagen sich die „emotionalen Allianzen“ (Winter 2010) des Fanseins in kulturellen Formationen der Unterhaltung und Vergnügung nieder? Welche Leidenschaften und kollektiven Erfahrungshorizonte ergeben sich aus der gemeinsamen affektiven Bindung an ein Fanobjekt? Wie werden Emotionen innerhalb von Fangruppen kulturell codiert, gelenkt oder stigmatisiert?

3. „Wir haben die Beatles noch live gesehen!“ – Erinnern
Fankulturen verfügen über kanonisierte Wissensbestände, die innerhalb der Gruppen hierarchisierend und nach außen distinktiv wirken. Die Teilhabe an diesen „fankulturellen Gedächtnissen“ bestimmt über die Position innerhalb einer Gruppe. Die rituelle Wiederholung traditionalisierter Erzählfiguren und Erlebnisse stärkt die innere Kohärenz einer Gruppe und trägt zu deren Fortbestand bei. Wer sind die Experten und Akteure, die Wissen und Erinnerung innerhalb von Fankulturen kanonisieren? Welche Bedeutung haben Erinnerungsbestände für die intergenerationale Tradition innerhalb von Fankulturen? Auf welche Art gerät erzählte Erinnerung zu einem Instrument von Distinktion und Hierarchisierung in den Fankulturen?


Wir bitten Interessentinnen und Interessenten, Ihre Exposés (max. 3000 Zeichen) mit Themenvorschlag und Titel bis zum 28. Februar 2014 an untenstehende Adresse zu senden. Erwünscht sind sowohl Vorträge zu aktuellen, unpublizierten Forschungen als auch Arbeitsberichte aus laufenden Projekten. Die Länge der Vorträge sollte dabei 30 Minuten nicht überschreiten. Eine Publikation der Beiträge im Rahmen der Schriftenreihe des KPUV ist geplant.


Kolleginnen und Kollegen, die keinen eigenen Vortrag halten, aber dennoch am Thema, der Arbeit der KPUV oder am allgemeinen Austausch interessiert sind, sind ebenfalls herzlich willkommen.


Dr. Manuel Trummer
Vergleichende Kulturwissenschaft
Universität Regensburg
Universitätsstr. 31
93053 Regensburg
manuel [dot] trummer [at] ur [dot] de

Website: www.kpuv.de