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Bericht über den Kommissions-Workshop am 18. Juli 2014 in Hamburg

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dgv-Kommission Europäisierung_Globalisierung. Ethnographien des Politischen
Workshop am 18. Juli 2014 in Hamburg


Im Rahmen des ersten Workshops der neugegründeten dgv-Kommission "Europäisierung_Globalisierung. Ethnographien des Politischen" kamen am 18. Juli 2014 15 von mehr als 20 Interessierten zusammen, um im Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg über verbindende Perspektiven und Inhalte der Forschung zu sprechen und tragfähige Formen für Austausch und Zusammenarbeit zu schaffen.

Der vorher zirkulierte Text von Lisanne Wilken (2012) resümierte die Europäisierungsforschung der Sozialanthropologie und der Europäischen Ethnologie vor allem als Beitrag zur Untersuchung von Identitätsprozessen. In der Diskussion gab es Konsens, dass eine (Selbst-)Beschränkung der europäisch-ethnologischen Europäisierungs-/Globalisierungsforschung auf Kultur und Identität als Residualkategorien, die 'für uns übrig bleiben', wenn hegemoniale Wissenschaftsdiskurse Politik, Wirtschaft, Rechtssysteme und Gesellschaft erklärt haben (Input G. Welz) , zum einen theorie- und fachpolitisch problematisch ist und zum anderen auch nicht dem Spektrum laufender sowie bereits abgeschlossener Forschungsarbeiten im deutschsprachigen Raum entspricht. Die Frage nach der Konstruktion Europas in einem globalen Kontext wurde im Zusammenhang mit der Bedeutung post- und dekolonialer Perspektiven für die Europäisierungsforschung (Input R. Römhild) aufgenommen und als doppelt produktiv angesehen, indem der Untersuchungsraum der Europäischen Ethnologie über Europa hinaus erweitert wird und gleichzeitig die Reichweite postkolonialer Theoretisierung durch sozial- und kulturanthropologische Ansätze erweitert wird.
Die Diskussion nahm den zuvor zur Verfügung gestellten Text von William Walters (2012) auf, der die Entwicklung und Anwendung des Gouvernementalitätsansatzes nachzeichnete und dabei auch die produktiven Wechselbeziehungen zwischen Soziologie, Kulturanthropologie und Politikwissenschaft ansprach. Ein Input zum Regieren in Europa (S.Hess), der die Tragfähigkeit ethnographischer Forschung für "policy-in-the-making" beispielhaft herausgearbeitet hätte, musste krankheitsbedingt leider ausfallen. Die Absicht unserer dgv-Kommission, "Ethnographien des  Politischen" zu betreiben und zu fördern, ruft nach der Entwicklung einer "toolbox" geeigneter methodischer, epistemologischer und theoretischer Konzepte (Input M. Knecht). Die Heterogenität, die hinter dem Begriff Assemblage zutage tritt, und die damit einhergehenden problematischen Aspekte, die  u.a. genderpolitische Fragen betreffen,  wurden ausführlich diskutiert, aber eben auch das Potential, das einer konsequent praxeographischen Arbeit mit dem Assemblage-Konzept und in einer Wiederaufnahme älterer Ansätze der anthropologischen Globalisierungsforschung (u.a. Ong/Collier 2005) stecken kann, betont.  Mehrfach wurde auf neue Publikationen aus dem Fach hingewiesen, die ebenfalls die Tragfähigkeit der Assemblage-Perspektive für aktuelle politisch-anthropologische Forschungen diskutieren, u.a. die Beiträge zu dem Band "Formationen des Politischen" (Adam/Vonderau 2014) und die mit einem Impuls von Alexa Färber eingeleitete Debatte zu Assemblage und ANT in der Stadtforschung (Färber 2014).

Nach dem Mittagessen tauschten sich die Anwesenden über aktuelle Aktivitäten in Forschung, Lehre, Kooperationen und Tagungen an den durch sie vertretenen Instituten aus: Berlin (HU), Bremen, Frankfurt/Oder, Frankfurt a. M., Göttingen, Hamburg, Mainz, München und Wien.
Weil das Ziel der dgv-Kommission "Europäisierung_Globalisierung: Ethnographien des Politischen" sein soll, ethnographisch Forschende zu vernetzen, die sich mit politischen Prozessen und Strukturen in Europa beschäftigen,wird derzeit ein DFG-Antrag für ein Netzwerk (Finanzierung von Reise- und Aufenthaltskosten für Doktoranden/Postdocs, die sich zu einer Serie von Workshops treffen) vorbereitet. Federführend sind K. Poehls (Hamburg) und M. Schwertl (München).
Außerdem wurde angesprochen, dass das Anliegen der Kommission, Forschungen zu Europa, der EU und EU-Europa als Aushandlungsfeldern machtvoller globaler Prozesse  sichtbar zu machen, auch die verstärkte Präsenz auf in- und ausländischen Konferenzen erfordert. Unter anderem wird angeregt,  ein Panel auf dem nächsten SIEF-Kongress, der 20.-25. Juni 2015 in Zagreb stattfinden wird, anzumelden (Ansprechpartnerin: G.Welz) und sich mit einem Panel beim nächsten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde, der zum Thema "Krisen" 30.September bis 3. Oktober 2015 in Marburg stattfindet, zu beteiligen (Ansprechpartnerin M. Knecht).

Das nächste Treffen der Kommission findet beim dgv-Kongress 22.-25. Juli 2015 in Zürich statt (Ansprechpartnerinnen: K. Poehls und G.Welz)
Die Mailingliste der Kommission wird weiter ausgebaut (Ansprechpartnerin K. Poehls). Mit dem DFG-Antrag verbunden sein soll auch das Aufsetzen einer Literaturliste/Datenbank, in die relevanten Publikationen der Mitglieder und aus dem Fach regelmäßig eingepflegt werden, sowie die Entwicklung eines blogs.

Für den Bericht:
Gisela Welz und Kerstin Poehls