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Tagung - Mythos, Mythen, Mythologien

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Mythos, Mythen, Mythologien
7. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der dgv
 

Call for Paper

Nicht alte Zeiten oder andere Kulturen sind der privilegierte Ort für mythische Bedeutungen, hat Roland Barthes erklärt, sondern es ist unsere Zeit, die Gegenwart, die den Mythos erst voll ins Spiel und zur Geltung bringt. Das zeigt sich vor allem an zweierlei Entwicklungen: 
1. an dem Interesse am Mythos, wie es seit dem 19. Jahrhundert nicht nur Wissenschaft und Philosophie, sondern die Politik und eine breite Öffentlichkeit erfasst, nicht zuletzt angeregt durch die 
Veröffentlichungen der Brüder Grimm;
2. an der aktuellen und alltäglichen Präsenz des Mythos, sei es durch Rückgriffe auf mythische Bestände (Bilder, Motive, Figuren, Konstellationen) in Filmindustrie, Unterhaltungsmedien, Werbung, Marketing etc, sei es simpel in Schlagzeilen der Tagespresse: "Mythos Kennedy", "Mythos Marilyn Monroe", "Mythos der Araber" und dergleichen mehr.
Ganz offensichtlich findet eine breite Öffentlichkeit Gefallen am Mythos. Es handelt sich um ein populäres Phänomen der Gegenwartskultur, das allerdings lange kulturgeschichtliche Wurzeln hat.

Im Grimm-Jubiläumsjahr (200 Jahre Kinder- und Hausmärchen, 1812-2012) wird sich die 7. Tagung der Kommission für Erzählforschung dem Thema "Mythos, Mythen, Mythologien" widmen. Wir bitten im Vortragsvorschläge zu vor allem drei Schwerpunkten des Themas:
1. alte Mythen
2. neue Mythen
3. Theorie und Wissenschaftsgeschichte des Mythos

Das Spektrum möglicher Themen ist also breit gefächert. Es reicht von empirisch bis zu theoretisch ausgerichteten Beiträgen, von historischen bis zu gegenwartsbezogenen Fragestellungen. In 
historischer Hinsicht wäre nach traditionellen Mythen und Überlieferungsbeständen zu fragen. Ethnographisch wäre der Blick auf andere Kulturen und ihre Mythen zu richten. Gegenwartsbezogen wäre die Aktualität des Mythos zu thematisieren, sein vielfältiges Auftreten in Medien, in Alltagserzählungen, sein Einbau in die moderne und technische Welt selbst. Gedanklich rahmend könnte der Blick u.a. auf die Mythologie des eigenen Faches fallen, auf die nicht unproblematische Geschichte volkskundlicher Forschungen und Überlegungen zum Mythos. Aber auch aktuelle Narrationstheorien wären als thematische Schwerpunkte zu sehen.

Unterschiedliche Fragerichtungen sollen ein vielfältiges Bild entstehen lassen: Was sind die typischen Themen in Mythen? Was macht den Mythos als Gattung aus? Welche Medien und Interessenrichtungen sind besonders mythenaffin? Wie sind Mythen strukturiert? Welche Antworten geben Mythen, die sonst nicht zu bekommen wären? Was heißt mythisches Denken? Was bedeutet der Mythos, betrachtet als Denk- und Erzählform unserer Kultur und anderer Kulturen? Welche Theorien stehen uns zur Interpretation des Mythos zur Verfügung? Welche Kritik wäre 
angezeigt? Gibt es einen Mythos vom Mythos, das heißt eine wissenschaftliche Lesart, die bestimmte Erzählstoffe mythifiziert? Wie hat unser Fach den Mythosbegriff geprägt, ja, hat es sich 
möglicherweise mit Hilfe dieses Begriffs überhaupt erst konstituiert und entwickelt? Brauchen wir heute weiterhin Mythen?

Anmeldungen sowie Abstracts für die Tagung sind von Mitgliedern der Kommission ebenso wie von Nicht-Mitgliedern willkommen und an den Kommissionsvorsitzenden Harm-Peer Zimmermann 
(hpz [at] staff [dot] uni-marburg [dot] de) erbeten. Einsendeschluss ist der 15. März 2012.

An die Abstracts werden folgende Anforderungen gestellt: Sie sollen eine DIN A4-Seite nicht überschreiten (maximal 2.400 Zeichen, inklusive Leerzeichen), und sie sollen in elektronischer Form 
(.doc-Format) eingereicht werden. Es sollte sich um neue, unveröffentlichte Forschungsbeiträge handeln.

Termindatum: 
4. September 2012 - 7. September 2012
Tagungsort: 
Marburg (Schloss Rauischholzhausen)