Navigation überspringen.
Startseite

5. Arbeitstagung "Narrative Strategien des populären Erzählens"

Druckfreundliche Ansicht

Arbeitstagung 2008: "Narrative Strategien des populären Erzählens"

 

Vorsitzender: Ulrich Marzolph

 

CfP

Eine der grundlegenden Einsichten der historischen und vergleichenden Erzählforschung besteht darin, daß jede Performanz einer Erzählung einzigartig ist. Wenngleich Erzähler und Erzählerinnen sich bestimmter Formen oder kleinerer Textbausteine bedienen können, präsentieren sie nicht genormte, sich Wort für Wort gleichende Geschichten. Vielmehr sind ihre Erzählungen, und dies gilt in besonderem Maß für talentierte Erzähler, kunstvolle Gebilde, die zu einem guten Teil spontan während der Performanz formuliert werden, teils in Interaktion mit den Zuhörern, teils unter kreativem Rückgriff auf das der erzählenden Person zur Verfügung stehende Stoff- und Motivarsenal. Gleichzeitig sind die während dieses Prozesses entstehenden Erzählungen, das heißt: ihre jeweiligen spezifischen Ausprägungen bzw. Veränderungen keinesfalls sinnfrei. Vielmehr ist jede einzelne Variante seitens der erzählenden Person mit einer Intention verbunden, die etwa von unterschiedlichen Aspekten der Unterhaltung über beispielhafte Darstellung bis hin zu Unterrichtung oder Belehrung über ethische oder moralische Grundsätze der jeweiligen Zuhörer, Erzählgemeinschaft oder Erzählkultur reichen kann. Damit stellt sich die Frage, wie sich narrative Kreativität und Sinngebung verbinden, bzw. welcher Mechanismen und Strategien sich die erzählenden Personen bedienen, um mit ihren Erzählungen bestimmte Botschaften zu kommunizieren. Derlei Strategien können einerseits externe Faktoren auf einer Makro-Ebene betreffen, etwa die Wahl bestimmter Inhalte oder Erzählungen bestimmter Gattungen zu bestimmten Situationen. Andererseits wirken sie auch auf einer Mikro-Ebene innerhalb von Texten, indem bestimmte Formulierungen gewählt, bestimmte Schwerpunkte herausgearbeitet oder Strukturen auf eine zielgerichtete Art und Weise geprägt werden.

Die fünfte Tagung der Kommission Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde setzt sich die Behandlung dieser "narrativen Strategien" des populären Erzählens zum Ziel. Als Bereiche des populären Erzählens gelten dabei sowohl schriftliche fixierte narrative Texte, die für die spätere mündliche Überlieferung prägend waren und zum Teil ein erhebliches Alter aufweisen können, als auch Erzählungen der jüngeren Gegenwart, die eine engere Beziehung zur lebendigen mündlichen Überlieferung aufweisen. Hinsichtlich zu behandelnder Erzählformen und -gattungen soll das Spektrum möglichst offen gehalten werden, damit neben den "klassischen" Erzählgattungen auch "moderne" Formen wie etwa das alltägliche und lebensgeschichtliche oder das mediale Erzählen Berücksichtigung finden. Sofern größere Korpora von einer einzelnen Erzählperson oder umfangreiche Angaben zu verschiedenen Erzählgelegenheiten vorliegen, kann die Behandlung der narrativen Strategien durchaus die Makro-Ebene betreffen. Der Schwerpunkt der Behandlung soll im vorliegenden Kontext allerdings auf den internen Strategien liegen, mit denen Erzähler unterschiedliche Aspekte einer Erzählung herausarbeiten und gegebenenfalls ein und dieselbe Erzählung mit unterschiedlich nuancierten Botschaften für die Zuhörer versehen können.

 

Programm

Montag, 1. September 2008

16.00–16.30 Uhr
Begrüßung

16.30–17.30 Uhr
Führung durch das Kloster

18.30 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Abendveranstaltung

 

Dienstag, 2. September 2008

9.00–9.45 Uhr
Thomas Geider: Die Parataxen der Märchenerzähler(innen): Zur Stilistik afrikanischer Sprechweisen und Diskrepanz in deutschen Märchenausgaben

9.45–10.30 Uhr
Gundula Hubrich-Messow: Fiktive Beteuerungen der Glaubwürdigkeit in schleswig-holsteinischen Volksmärchen

10.30–11.00 Uhr
Kaffee-/Tee-Pause

11.00–11.45 Uhr
Hans-Jörg Uther: Erzählstrategien in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zum Weltbild in Ludwig Bechsteins Märchen

11.45–12.30 Uhr
Kathrin Pöge-Alder: Strategien öffentlichen Erzählens heute: Tendenzen und Beispiele

12.30–14.30 Uhr
Mittagessen

14.30–15.15 Uhr
Helmut Fischer: Narrative Reaktionen: Über das Erzählen nach auffälligen Ereignissen

15.15–16.00 Uhr
Susanne Hose: Sorbische Klatschgeschichten

16.00–16.30 Uhr
Kaffee-/Tee-Pause

16.30–17.15 Uhr
Bernd Rieken: Die ‘Gute-alte-Zeit-Geschichte’ – kausale und intentionale Zugänge

17.15–18.00 Uhr
Sabine Wienker-Piepho: Zur Gattungsterminologie moderner Sagen

18.30 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Treffen im Backhaus

 

Mittwoch, 3. September 2008

9.00–9.45 Uhr
Ingo Schneider: “Die New Yorker Polizei warnt vor einer neuen Drogenform, welche jetzt Kindern ...” Narrative Strategien zur Steigerung der Glaubwürdigkeit in gegenwärtigen Sagen und verwandten Erzählformen

9.45–10.30 Uhr
Christine Shojaei Kawan: Heidi Klum als Märchenhexe: Medienstrategien aus der Mot