CfA: Berliner Blätter – Ethnographische und ethnologische Beiträge, Heft 1/2015: "Abseitiges. An den Rändern der Kulturanthropologie"

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Call for Articles: Berliner Blätter – Ethnographische und ethnologische Beiträge, Heft 1/2015

 

Abseitiges. An den Rändern der Kulturanthropologie

 

So wie es anthropologische Idole und Klassiker gibt, besitzt die Kulturanthropologie auch ihre Randfiguren und Außenseiter_innen. Auf die Grenzen der Disziplin zu schauen, birgt den Reiz, sowohl Einblicke in anthropologische Parallel- und Unterwelten, als auch Erkenntnisse über die Identitätspolitiken der Disziplin zu erhalten. Peripherie und Zentrum bedingen sich gegenseitig und so verwundert es kaum, dass immer wieder auch Randfiguren zu Klassikern werden.

 

Mit einer Ausgabe der Berliner Blätter unter dem Titel Abseitiges möchten wir diese Dialektik von Peripherie und Zentrum in den Blick nehmen. Wir fragen gezielt nach hybriden Forschungspraktiken, künstlerischen Forschungsformaten, anthropologischen Grenzfällen bis hin zur ethnographischen Science Fiction. Ein Beispiel ist Zora Neale Hurstons Ethnographie Mules and Men (1935), die fast rein dialogisch aufgebaut ist und sich wie ein anthropologisches Drama liest. Interessanterweise wird Hurston, die bei Franz Boas Anthropologie studierte, selten als Kulturanthropologin wahrgenommen, sondern als Schriftstellerin aus dem Umfeld der Harlem Renaissance. Wie kommen solche Grenzziehungen und Kategorisierungen zustande? Welche Modi des Schreibens werden als ‚nicht-anthropologisch’ klassifiziert und aus welchen Gründen? Eine weitere Grenzgängerin ist Ursula Le Guin, Tochter von Alfred Kroeber, die in ihren Science Fiction- und Fantasy-Romanen einen ethnographischen Stil verfolgt und deren Protagonist_innen nicht selten Anthropolog_innen sind. In welchem Verhältnis steht anthropologische Science Fiction zur ‚echten’ Ethnographie? Wie könnte ein Zusammenhang zwischen anthropologischer Fiktion und dem kulturellen Imaginären ergründet und skizziert werden? Wir sind an Praktiken an den Rändern, aus dem Abseits, und in Zwischenräumen (in unseren Beispielen zwischen den Feldern der Anthropologie und der Literatur; der Wissenschaft und Science Fiction) interessiert.

 

Wir freuen uns über Beiträge, die...

randständige und experimentelle Forschungspraktiken und Herangehensweisen (auch an etablierte Themen)

und/oder

Randfiguren oder Außenseiter_innen der Kulturanthropologie (in Geschichte oder Gegenwart)

beleuchten.

 

Der Blick vom Rand sagt viel aus über (Fach-)Identität und die mit ihr verbundenen Wissenschaftspolitiken. Er wirft ein anderes Licht auf etablierte disziplinäre Themen, Herangehensweisen und Fragestellungen. Übergreifende Fragen dieses Heftes der Berliner Blätter sind daher: Nach welchen Mustern wird in ‚Idole’ und ‚Randfiguren’ unterteilt? Auf welchen Logiken basiert diese Einteilung? Was gilt innerhalb der Kulturanthropologie als randständig, experimentell und nicht-etabliert? Wie funktioniert die Dialektik zwischen Außen und Innen? Unter welchen Bedingungen kann „Randständiges“ in die Mitte einziehen und was fasziniert uns am Abseitigen?

 

Bitte senden Sie Ihr Abstract (maximal 300 Worte) zusammen mit Ihren Kontaktdaten bis zum 12. Januar 2014 an die Herausgeberinnen des Heftes. Wir werden Ihnen bis Ende Januar 2014 Rückmeldung geben, der Beitrag wäre dann bis zum 30.04.2014 zu verfassen.

 

Katrin Amelang und Silvy Chakkalakal katrin [dot] amelang [at] phil [dot] uni-goettingen [dot] de und silvy [dot] chakkalakal [at] unibas [dot] ch



Dr. des. Silvy Chakkalakal
Wissenschaftliche Assistentin
Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
Spalenvorstadt 2, Postfach
CH-4003 Basel
www.unibas.ch/kulturwissenschaft
silvy [dot] chakkalakal [at] unibas [dot] ch