Wir lebten in Véménd – Ein multiethnisches Dorf im Ersten Weltkrieg

Die Ausstellung zeigt knapp 90 Fotografien aus der Sammlung des Janus-Pannonius-Museums Pécs/Fünfkirchen in Ungarn. Die Fotos entstanden zwischen 1916 und 1920 im südungarischen Véménd/Wemend. Béla Hernai, der Lehrer des Dorfes, fotografierte die Bewohner im Hof und in der Laube seines Hauses. Dabei entstanden 700 Negative.
Seine Aufnahmen spiegeln die Dorf-gemeinschaft während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg wider: Damals lebten in Véménd Deutsche, Serben, Juden, Roma, Ungarn. Während 200 Jahre hatten sie sich aufeinander eingestellt. Sie verstanden die Sprache, respektierten die Religion und Tradi-tion der Anderen. Béla Hernai hielt die letzten Augenblicke dieser Gemein-schaft fest, bevor sie in Folge der beiden Weltkriege auseinanderbrach.
Zur Ausstellung erschien ein Katalog, 88 Seiten, mit einem Beitrag von Andrea Vándor zum Preis von 5 Euro.
Öffentliche Führungen (um jeweils 14 Uhr) durch die Sonderausstellung „Wir lebten in Véménd“: So. 12.02., So. 26.02., So. 11.03., So. 25.03.
Aktion: „Bring ein Ding!"
Ausgangspunkt für die Aktion in der Ausstellung ist ein Detail der Bilder: Die porträtierten Dorfbewohner halten oft einen Gegenstand in der Hand, der Rückschlüsse auf den sozialen Status, die Identität der abgebildeten Person und den aktuellen Anlass zulässt.
In leichter Abwandlung davon sind die Besucher der Ausstellung gebeten, sich mit einem persönlichen Gegenstand fotografieren zu lassen, der ihnen viel bedeutet. Dieses Objekt soll nach Möglichkeit aus einer anderen Kultur stammen oder in Verbindung mit einer Kultur stehen, die vom aktuellen Umfeld seines Besitzers abweicht. Urlaubmit-bringsel, ein Andenken aus der alten Heimat, ein Objekt das an einen Ereigniss erinnert: Gefragt wird dabei nach der ganz persönlichen Geschichte zu diesem Ding.
Die Fotos bilden zusammen mit den Geschichten eine Art Brücke: Über sie werden die vielfältigen Beziehungen und Verbindungen zwischen den verschiedenen Kulturen unmittelbar nachvollziehbar und begreifbar. Sie sensibilisieren für einen detaillierten Blick auf die Welt außerhalb des eigenen Umfelds.
Diese Fotos – mit den bisher in Pécs/Ungarn und Berlin entstandenen Bildern – und ihre kurzen Geschichten bilden die Grundlage für die Begleitausstellung „Bring ein Ding“ und die entsprechende fünfsprachigen Webseite www.bringanobject.eu.
Zu den folgenden Terminen erwartet unseren Besucher ein Fotograf: Sonntag, den 12.02, den 26.02, den 11.03, den 25.03, zwischen 14 und 17 Uhr im Donauschwäbischen Zentralmuseum
Begleitausstellung im Weststadthaus
Sie verlassen jetzt die Landkarte – Spuren deutscher Kultur im Donaudreieck
27. Januar 2012 – 15. April 2012
Im September 2008 begaben sich die Berliner Fotografin Sandra Kühnapfel und der DAAD–Lektor in Osijek, Joern Nuber, im Dreiländereck zwischen Serbien, Kroatien und Ungarn auf die Suche nach Spuren deutscher Kultur.
Seit dem 18. Jahrhundert gelangten deutsche Siedler in das damalige Ungarn. Sie lebten dort zusammen mit Kroaten, Serben und Ungarn, mit Rumänen, Bulgaren, Roma, Ruthenen, Slowaken, Tschechen und Ukrainern. In Folge des Zweiten Weltkriegs wurden jedoch viele Deutsche aus ihrer Heimat ausgewiesen. Nur wenige blieben; sie waren lange Zeit diskriminiert, deutsch zu reden war ihnen lange untersagt. Wie leben die Angehörigen der deutschen Minderheit heute im Donaudreieck? Wie arrangieren sie sich mit ihren Nachbarn? Und wie stehen sie zur Kultur ihrer Vorfahren? Was denken sie über Deutschland und die Deutschen? Fotos und Zitate erschließen vielschichtige Aspekte einer multikulturellen Landschaft – keineswegs außerhalb der Landkarte!
Die Ausstellung der Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa am Museum Europäischen Kulturen Berlin ist im Weststadthaus, Moltkestraße 10. 89077 Ulm zu besichtigen.