Stadtbilder. Hannovers Moderne 1900 / 1939

Druckfreundliche Ansicht

Wilhelm Ackermann: Kreuzung Georg- und Rathenaustraße mit Café
Kröpcke, um 1925

 

„Nicht wie in anderen deutschen Residenzen bestand (in Hannover) ein Missverhältnis zwischen den überdimensionalen Gebäuden des Hofs und der Zweckstadt, sondern die bürgerlichen, die geschäftlichen Häuser gliederten sich hier selbstgewiß und selbstverständlich den stattlichen Bauten an, die ihrerseits trotz aller Größe nicht unbescheiden wirkten: hier war Gleichmaß, kein Mehrsein-Wollen, keine Überheblichkeit; wenige deutsche Städte erschienen mir so gleichgewichtig zwischen Großstadt und Kleinstadt, Residenz und Industriezentrum, zwischen alt und neu, so durchaus harmonisch.“

Als Stefan Zweig 1930 Hannover als „Stadt der Mitte“ pries, wie er sie vor dem Ersten Weltkrieg kennen gelernt hatte, gab er zugleich sein Erstaunen über die jüngsten Modernisierungen zum Ausdruck: „Vitalität, vehementer Rhythmus von Licht, Verkehr und hervorragende Leistungen der Architektur“ beeindruckten den Wiener Schriftsteller an der Stadt an der Leine besonders. Denn obgleich Hannover im Vergleich zu den Metropolen eine übersichtliche „Großstadt im Grünen“ geblieben war, machten sich auch hier die Spuren der Industrialisierung bemerkbar. Die Bevölkerung war zu Beginn der 1930er Jahre auf über 400.000 Personen angestiegen. Es entstand ein „neues Hannover“ (Karl Elkart), geprägt durch räumliche Erweiterungen in Folge von Eingemeindungen, systematischen Wohnungsbau in Mehrfamilienhaussiedlungen (Nordstadt, Oststadt, Südstadt, Linden), umfangreiche neue Industrieanlagen (Bahlsen, Continental) sowie neue Verwaltungs- und Repräsentationsbauten (Provinzialmuseum, Rathaus, Anzeiger-Hochhaus, Stadtbibliothek). Moderne Verkehrs- und Beleuchtungstechniken prägten den städtischen Raum.

Die Ausstellung veranschaulicht anhand vielfältigen Bildmaterials diesen Wandel des Stadtbildes zwischen Tradition und Moderne vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Sie ruft eine Stadt in Erinnerung, deren Neubauten und technische Innovationen in krassem Gegensatz zu beschaulichen Morbidität der alten Quartiere rund um die Altstädter Kirchen standen. Zwei besondere visuelle Attraktionen dieser Ausstellung versetzen Sie in die Welt der frühen hannoverschen Moderne: ein Panorama vom Lindener Berg in Stadt und Umland zieht Sie in die damalige Stadt förmlich hinein, und der Film „Gesicht der Stadt“ von 1932 macht Sie zu einem Teilnehmer des städtischen Lebens im Hannover des frühen 20. Jahrhunderts.

 

Historisches Museum Hannover, Pferdestr. 6, 30159 Hannover, Telefon: (0511) 168-43052, E-Mail: historisches [dot] museum [at] hannover-stadt [dot] de
Ort: 
Historisches Museum Hannover
Ausstellungsdatum: 
21. September 2011 - 26. Februar 2012